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Januar 2016: Standkosten bei Kfz-Unfall und verzögerter Regulierung

Ein Problem, welches zunimmt, da Unfallregulierungen durch nahezu alle Versicherungen immer mehr verzögert werden, ist das Problem der Erstattung von Standkosten nach einem Totalschaden. Unser heutiger Beitrag will hierzu ein wenig aufklären.

Standkosten bei Totalschaden

Gerade bei Totalschäden nach einem Unfall wird der PKW häufig abgeschleppt und zumeist auf den Parkplatz einer Werkstatt gebracht. Dort steht der PKW dann teils Wochen, da nicht klar ist, ob die Haftpflichtversicherung des Unfallgegners bezahlt und wieviel bezahlt wird. In den letzten Jahren nimmt die Regulierungszeit leider immer mehr zu und erste Zahlungen durch die Versicherung erst nach Wochen sind häufig.

Gerade auch weil die Standplätze hierdurch immer mehr belegt werden, verlangen heutige Werkstätten teils erhebliche Standkosten. Reguliert die Versicherung dann bspw. nach 2 Monaten den Schaden, so werden gerade diese Standgebühren nicht erstattet, man hätte sich ja innerhalb von 14 Tagen nach einer Lösung (=Restwertverkauf oder Reparatur) umsehen müssen. Wohlweislich übersehen wird dabei, dass der Unfallgeschädigte in aller Regel zunächst wissen will, ob sein Schaden auch reguliert wird, oft besteht auch das Problem, dass die finanziellen Mittel für die Anschaffung eines Ersatzfahrzeugs ohne die Regulierung fehlen. Manche Werkstätten verweigern auch die Herausgabe des reparierten Fahrzeugs bis zur Bezahlung der Reparaturrechnung.

Wie urteilen die Gerichte?

Nach ständiger Rechtsprechung sind Standkosten grundsätzlich erstattungsfähiger Schaden (z.B. LG Aachen NJW 2013, 2294). Schwierigkeit bereitet jedoch häufig der Einwand, dass der Geschädigte eine Schadensminderungspflicht hat, er hat also den Schaden möglichst gering zu halten. In Fällen, in denen der PKW repariert wird, verlangen die Gerichte, dass man der Versicherung ausdrücklich und umgehend nachweist, dass eine Vorfinanzierung nicht möglich sei (bspw. durch Vorlage eines Kontoauszugs). Entsprechendes gilt im Übrigen auch für den Nutzungsausfall.

Liegt ein Totalschaden mit Restwertaufkauf vor, ist die Rechtslage noch problematischer. Denn hier ist für den Verkauf des PKWs keine Vorfinanzierung nötig. Nach ständiger Rechtsprechung der Amtsgerichte dürften selbst Verkäufe nach 30 Tagen zu spät sein. Mithin ist im Falle eines Totalschadens praktisch umgehend nach Begutachtung durch einen Sachverständigen der Verkauf vorzunehmen, da sonst Standkosten nicht mehr erstattet werden. Dies kann zu Beweisproblemen führen, sollte das Gutachten später bestritten werden.

Alles in allem macht die verzögerte Regulierungstaktik der Versicherungen damit jedem Unfallopfer zu schaffen, welches teils vorfinanzieren muss. Anwaltliche Unterstützung ist daher zumeist mehr als sinnvoll. Anwaltsgebühren werden übrigens in Höhe des Regulierungswerts erstattet, in vielen Fällen ist die anwaltliche Unterstützung daher kostenlos.

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